04. November 1968: Die Schlacht am Tegeler Weg

Nachdem es im April ´68 nach dem Mordversuch an Rudi Dutschke zur versuchten Erstürmung des Springer-Geländes kam, versuchte die Generalstaatsanwaltschaft den Ausschluss aus der Anwaltschaft von Horst Mahler, da dieser u.a. als Rädelsführer der Auseinandersetzungen galt. Diesbezüglich fand am 4.11. das Ehrengerichtsverfahren am Landgericht am Tegeler Weg statt. Für die Ereignisse des Tages fast schon nebensächlich: Der Antrag wurde abgelehnt, es gab somit zunächst kein Berufsverbot für Mahler.

Zum ersten Mal in der Geschichte der 68er Bewegung wurde für den Tag gezielt Militanz als kollektive Ausdrucksform der Demonstration geplant. So wurde etwa im Vorfeld ein Film erstellt, der Vorschläge aufzählt welche Gegenstände „auf´s Landgericht geworfen“ werden können und propagierte, dass an dem Tag „Selbstanwälte“ mit Helm und Knüppel tätig werden. Auch der Ausschnitt, zur Erstellung von Farbeiern stammt aus dem damaligen Agitationsfilm.

Tatsächlich fanden sich zur Aktion dann rund 1.000 Demonstrant*innen ein, viele entsprechend mit Helm und Holzknüppel ausgerüstet. Die Polizei war vom massiven Auftreten deutlich überrascht und musste sich u.a. aufgrund des heftigen Bewurfs, trotz eingesetzter Wasserwerfer und Reiterstaffel, öfters zurückziehen, konnte aber eine Stürmung des Gerichtes dennoch verhindern. Fraglich ist, ob der stattgefundene, massive Einsatz von Kleinpflastersteinen so geplant war. Diesbezüglich kam wohl auch ein zufällig abgestellter LKW mit Steinen den Werfenden zu gute.

Je nach Quelle, gab es an dem Tag zwischen 130 – 137 teils erheblich verletzte Polizisten, dem standen nur 22 verletzte Aktivist*innen gegenüber. Ansonsten war dieses Verhältnis immer umgekehrt. Übrigens wurde nach dieser Demo die erste Generation der Polizeihelme angeschafft, welche die alten Lederkappen (Tschako´s) ablösten. Strittig waren unter anderem auch die Rocker, welche unter der Menge eifrig mitmischten. Bommi Baumann schreibt in „Wie alles anfing“ das er einige von ihnen noch aus seiner Schulzeit kannte. Laut einigen Quellen wurden Rocker angeblich gezielt bezahlt und angeworben um den militanten Charakter der Aktion zu sichern.

So oder so kann, oder muss man die Schlacht als Wendepunkt der 68er Bewegung sehen. Die Gewalt spaltete die Bewegung und sorgte dementsprechend nicht nur für viel Diskussionstoff in der Szene. Es kam ebenfalls zu Entsolidarisierungen von bisher nahestehnden Gruppen. Hier gibt es eine Mitschrift einer Diskussion des republikanischen Clubs in Folge der Schlacht am Tegeler Weg.

Nachfolgend noch eine sehr informative und spannende Dokumentation von 1988 zu den damaligen Ereignissen:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.