02. November 1987: Todesschüsse an der Startbahn West

Am 1. November 1987 wird an der Startbahn West zum 300. Sonntagsspaziergang mobilisiert. Tags darauf folgt ein noch symbolträchtigeres Datum: Es handelt es sich um den sechsten Jahrestag der Hüttendorfräumung. Zu dieser Demo in den Abendstunden mobilisieren viele militante und gut vorbereitete Gruppen, was angesichts der langjährigen und kraftvollen Widerstandsgeschichte an der Startbahn auch keine Besonderheit ist. Nachdem es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Startbahn-Gegner*innen kam, fallen in der Dunkelheit 14 Schüsse. Abgefeuert von einem Demonstranten in Richtung der entfernt stehenden Cops. Zwei Polizisten sterben.

Mobilisierungsplakat zum 300. Sonntagsspaziergang an der Startbahn West

Noch im Laufe der Nacht rollte eine Repressionswelle an, die die meisten völlig überraschend traf. Vier dutzend Wohnungen wurden durchsucht und es ergingen zwölf Haftbefehle. Schon am nächsten Tag wird der Hauptverdächtige gefasst, er wird 1991 u.a. wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt. Eine Zusammenfassung zu den Schüssen gibt es bei bei wikipedia. Wer tiefer in die Ereignisse und die damalige Widerstandskultur eintauchen möchte kann einen umfangreichen Text bei kunst-und-kampf lesen. Sehr empfehlenswert ist auch das Buch von Wolf Wetzel, erschienen im Unrast-Verlag. Eine Rezension dazu findet sich beispielsweise im untergrundblättle.

Der Spiegel, Nov. 1987

Die Schüsse an der Startbahn führten bei den allermeisten (militanten) Aktivist*innen zu Unverständnis und deutlicher Ablehnung. Bereits am Tag nach der Tat erklärten einige Frankfurter Autonome, dass die bisher angewandte Gewalt „immer eine andere Dimension“ gehabt und mit „blankem banalem Mord“ nichts gemein habe.

Im Zuge der polizeilichen Ermittlungen kommt es zu erheblicher Panik in der Szene die zu Spekulationen, Aussagen bei der Polizei und unsolidarischen, bzw. gefährlichen Handeln führt. Aufgrund dessen wird daraufhin die bis heute bekannte Kampagne „Anna und Arthur halten’s Maul“ ins Leben gerufen.

 

 

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